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Miss Ellie



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Übergeben

Geschrieben von Miss Ellie , 21 September 2011 · 195 Aufrufe

Dass ich so zurückhaltend mit Berichten über meine WIPs war, hatte gute gründe. Zwei davon waren Geschenke an meine Kolleginnen zu deren geburtstag, da konnte ich nicht riskieren, dass diesbezüglich etwas durchsickert. Jede bekam einen Lace-Schal. Eine Kollegin habe ich mit dem melonenschal in Lavendellila beschenkt, die andere mit einem selbst gestalteten Schal im Vine Lace Pattern mit je einer Rüsche am Ende und Perlchen am Abschluss. Sehr nett.
Geht es eigentlich nur mir so, dass es Überwindung kostet, den Empfängerinnen nicht vorzuführen, wie man einen Schal drapiert? Dass man sich krampfhalt an der STuhllehne festhalten muss, wenn sie sich den Schal/ die Stola um den hals würgen, als wärs ein Lumpen aus der Altkleidersammlung? Und ihn dann zusammenknüllen und wieder in die Schachtel stopfen? Nachdem man den Schal tags zuvor mit hundert Stecknadeln festgepinnt hat, damit er schön glatt gespannt ist? - Vielleicht sollte ich Kleider verschenken. Wie man die anzieht weiß jede. Keine knüddelt sie sich um die taille oder prömmelt sie um die Knie, jede hängt sie auf Bügel.
Seufz.


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meine schottische Ausbeute

Geschrieben von Miss Ellie , 20 September 2011 · 255 Aufrufe

Inzwischen habe ich zuhause alles verstaut, das Gästezimmer ist ja wieder frei, ich habe es kurzerhand zum Abstellen von Wollkisten benutzt, denn wenn ich dort nichts hinstelle, tun es andere, und ein haufen fahrradersatzteile sind ja nun auch nicht schöner als ein paar Tüten und Kisten und Kästen Garn. Also ich habe in diesem Sommer Merinowolle gekauft, weil sie bei karstadt heruntergesetzt war, und diese zur Merinowolle dazugesellt, die ich bestellt hatte, weil der Kürbisorangeton anscheinend aus dem Sortiment genommen werden sollte und das bei mir Schnappatmung auslöste. Das Karstadtmerino ist Beige, Hellbeige. Eine freundin von mir bezeichnet die Farbe unfreundlicherweise als "das ewige 'Ich-trau-mich-nicht-Beige'". - Im krassen gegensatz dazu steht die in Glasgow gekaufte Kuryon-Sockenwolle. Sie ist grün mit gelb mit Pink mit Hautfarbe mit anderspink, mit sehr viel Pink und Lila, und wer das anzieht, muss sich schon wirklich was trauen. Aber es war reduziert und ich konnte es nicht liegenlassen. "Ich kann es bestimmt weiterverkaufen!" sagte ich dem besten LAG von allen. Der nickte und meinte: sicher bist du der Oberarzt. - Nun habe ich gegoogelt, was man aus Kureyon alles machen kann, und siehe da, meine Knäuel reichen für einen Cardigan, für einen schönen Cardigan. Schau'n wir also mal.
Das Adriafil-Tweedgarn, "Pois", sollte für einen Rollkragenpullover reichen. 13 Knäuel.
Wenn ich meine regale genauer betrachte, klafft allerdings eine Lücke, dort, wo eigentlich noch ein Pfund Rowan's felted Tweed DK hinsollte, in Rot, das ja nirgends zu bekommen war. Bestelle ich das? Bestelle ich nicht? Wohl wahr: die reise war teuer, das Konto ist auf grund, alle haben Geburtstag und bekommen geschenke, die auch wieder Geld kosten, und der Herbsturlaub und diverse Feierlichkeiten stehen an und kosten noch mehr.
Aber ich habe auch Geburtstag und darf mir doch was schenken. Rowangarn hatte ich noch nie. Wenn man mal so drüber nachdenkt, steht mir das dienstrangmäßig zu. Wenn alle nur auf ihrem geld sitzen bleiben, wird das nie was mit der Wirtschaft.
Schließlich und endlich: die Kone bleichtürkises Bouclégarn. Hmtja. Was ich damit anstelle weiß ich nicht. Man kann es mischen. Ich sehe in der Farbe aus wie etwas, das man am Strand unter flachen Steinen findet. Ich werde es mischen.
Dann war ich wieder daheim und habe was getan? Bin bei Zitron gewesen und habe nichts gekauft, bis auf drei, nein vier, Knäuel leicht changierendes blaugrünes Merino und drei-vier Röllchen glänzendgraues Beilaufgarn. Man kann es mischen!




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Schottland die Neunte

Geschrieben von Miss Ellie , 20 September 2011 · 85 Aufrufe


26.8.2011
Am anderen Morgen wechselten wir ein paar Worte mit einem anderen Pärchen, bestehend aus Frau und Herrendame. Sie führte das Wort, der /die BegleiterIn senkte den zauseligen grauen Kopf und lächelte schüchtern, wenn er/sie angesprochen wurde.

Wir fuhren nach Hull, an York vorbei. Pausen waren leider nicht wirklich drin, weil der zähe Verkehr endlos Zeit verschlang und wir uns nachmittags einchecken mussten. Es regnete. Die Landschaft verschwand allmählich hinter Häusern und Verkehr. Eigentlich wollten wir die letzten Postkarten noch einwerfen, es fand sich aber nirgends ein Postkasten – bzw es fand sich keiner am Weg, in den man die Karten aus dem fahrenden Wagen hätte werfen können.

In Hull checkten wir beizeiten ein und gingen in die Fährhalle, um einen Kaffee zu trinken. In der Halle gab es außer kahlen Bänken einen Automaten, der nach Einwurf eine Art braungefärbte spülwasser­ähnliche Plörre ausspuckte, das war der Nachmittagskaffee. Ärgs.
Als wir dann endlich aufs Schiff konnten waren wir überaus bereit, uns aufs Buffet zu stürzen. Drehten eine Runde außen, ließen uns vom Wind zerzausen, schauten zu, wie die Schiffsschraube Wellen machte, betrachteten das sich entfernende Ufer. Drinnen gab es alle Zerstreuungen, die Reisende anscheinend von großen Schiffen erwarten - Tanz, Bingo, Filme, viel zu essen und noch viel, viel mehr zu trinken. Bestimmt hat schon mal jemand davon gehört, dass Briten dafür berühmt sind, sich unmäßig viel Alkohol einzuverleiben? - Also diejenigen, die auf Fähren zum Kontinent unterwegs sind, haben diesen Ruf zu Recht. In der nachbarkabine kabbelten sie sich schon am frühen Abend. Sie war beschwipst und meinte, dass die nacht noch jung sei. Er bremste. Sehr viel später wurde ich wach, als in der Nachbarkabine Zankereien ausbrachen - anscheinend hatte sie einen Verehrer angeschleppt. Erst zankte sie mit, dann kotzte sie sehr laut und sehr lange ( die Kabinenwände waren recht dünn). Er warf den verehrer aus der Kabine. Nächste Kotzepisode. Ich drehte mich um und schlief, sanft gewiegt, wieder ein. Mein bester LAG von allen hatte nichts mitbekommen.





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Schottland die Achte

Geschrieben von Miss Ellie , 20 September 2011 · 142 Aufrufe


24.8.2011
Die Wäsche wurde allmählich knapp, Jörg war am Ende seiner T-Shirts angekommen. Im Kofferraum häuften sich die Tüten und Taschen mit Schmutzwäsche. Glücklicherweise gab es einen Laden namens M & Co, wo man günstige T-Shirts bekommen konnte. Ansonsten hatte die Krise auch hier zugeschlagen, Läsen verkauften aus, es gab nur den allerallgemeinsten Tartanandenkenramsch, der in allen Touristenmetropolen zu finden war.

Wir fuhren über Ballachulsih und Crianlarich zum Loch Lomond, wo wir in Luss ein B&B gebucht hatten. Wir sollten bitte nicht zu spät eintreffen, hatte man uns gesagt, die Landlords müssten abends zeitig weg zu einem Tattoo. Also sahen wir zu, dass wir zeitig hinkamen. Das Haus lag weit ab von jedem Ort mitten zwischen schönen Hecken und Feldern, der Weg war malerisch. Das Haus, außen recht unscheinbar, war in einem Stil eingerichtet, der in englischen Einrichtungsmagazinen GRAND genannt wird – sehr hochherrschaftlich, mit Stilmöbeln, Bildern und Spiegeln an den Wänden, einer Riesenvase mit Lilien im Flur – wie direkt aus House&Garden entsprungen. Die Gastgeber stellten sich als Neil und Christine vor und wirkten nicht entfernt so steif, wie es die Einrichtung fürchten ließ. Zunächst mal bekamen wir Tee, außerdem nette Unterhaltung. Internet gab es auch.

Wir fuhren nach Luss und besahen Luss. Ein Ort am See, ein paar Leute am See, zwei Eisbuden am Ufer, Felder und ein Flüsschen. Nichts, das nach einem Restaurant aussah. Also versuchten wir es in Helensburgh, dem nächstgelegenen Ort. Oha! Vorbei wars mit der Idylle, da grüßte schon die Vorstadt von Glasgow. Es brauchte einige zeit, ein Lokal zu finden, das halbwegs vertrauenerweckend wirkte. Aber auch hier standen Leute auf dem Parkplatz und übten Dudelsack spielen, und die Passanten hörten ihnen zu.


25.8.2011
Einen Haken hatte das schöne B&B leider doch: die Dusche war einfach nicht zu zähmen, entweder kochendheiss oder eiskalt. Am Frühstückstisch saßen außer uns beiden noch eine dreiköpfige französische Familie. Meine Bemühungen um Tischkonversation wurden vom mitreisenden 17-jährigen Sohn mit dem Satz „I don’t understand“ beantwortet. Ich beschloss, leider auch kein Französisch zu können.

Wir fuhren nach Glasgow, direktemang ins Buchanan Shopping Center und dort zu John Lewis, in die Wollabteilung. Viele Garne! Sehr viele Garne! Aber kein Rowan’s Felted Tweed in Rot. Wir shoppten im Shoppings Center, Schuhe, einen Rock … und gingen dann weiter durch die Stadt, die Buchanan Street hinab, in die Sauchiehill Street, Hope Street, Renfrew Street …. Dort sprang mir sofort „Mandor’s“ in die Augen, ein Laden für Stoffe und Garne, also nichts wie hin. Nein, kein rotes Felted Tweed. Dafür vier Knäuel grünrosabuntes Noro-Kureyon-Sockengarn zum halben Preis, das musste mit, unbedingt. Vor dem Laden war eine Terrasse, wo man Kaffee trinken konnte. Am Ende mussten wir im nächsten B&B anrufen und kleinlaut ansagen, dass wir später eintreffen würden, weil wir aufgehalten wurden. Naja, stimmte nicht ganz.

Also nach Dumfries, in ein sehr professionell geführtes, recht großes B&B. Modernes Zimmer, zuverlässige Dusche, und die Inhaberin fragte uns sofort, wo wir zu Abend essen wollten, empfahl uns Lokale und bot an, uns einen Tisch reservieren zu lassen. Wir gingen zu Fuß zu „Bruno’s“, aßen italienisch, wunderten uns wieder, wie gut besucht die Lokale überall waren, auch mitten in der Woche, und gingen zurück.




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Schottland die Siebte

Geschrieben von Miss Ellie , 20 September 2011 · 117 Aufrufe


22.8.2011
Ich hatte nicht gut geschlafen wegen des gewöhnungsbedürftigen Doppelbettes – schmal und außen leicht abschüssig. Zum Frühstück gab’s Black Pudding und Ei und Speck und Toast, die ganze Palette. Wir fuhren einmal um die Insel, erst wieder nach Broadford, dann weiter nach Norden, nach Trotternish, Richtung Portree, ein größerer Ort mit dem entsprechenden Angebot von Tourist Info und Kilt- und Andenkenläden. Wir buchten ein Zimmer in Fort William für den nächsten Tag, kauften ein paar Postkarten und fuhren weiter, vorbei am Old Man of Storr und einem Wasserfall und einigen Aussichtspunkten. Wir hielten dort, wo es der Reiseführer empfahl und wo dementsprechend bereits Reisebusse mit Japanern etc geparkt waren. Die Aussicht war spektakulär, über die Klippen und das Meer auf die vorgelagerten Inseln und Inselchen. Jörg fotografierte, ich hielt mich in respektvoller Entfernung vom Rand der Klippen auf und betrachtete die Japaner, die waghalsig am Abgrund entlang turnten und pausenlos Fotos machten. Besonders eine Gruppe von Mädels, die sich gegenseitig und allein knipsten. Eine selbstverliebte Japanerin machte hundert Fotos von ihrem Gesicht vor den Klippen.

Es war sonnig und windig, und wo immer wir ausstiegen war’s schön, nur ein Lokal für Kaffee und Nahrhaftes war nirgends geöffnet. So fuhren wir um die ganze Nordspitze der Insel bis nach Uig, einem Hafen auf der Westseite. Da gab’s dann endlich was zu essen.

Weiter nach Dunvegan. Nichts Bemerkenswertes.

Am Ende gefiel es mir in den weniger spektakulären, eher lieblichen Landstrichen am besten. Der Landstrich heißt Sleat.

Abendessen im selben Hotel wie tags zuvor. Wieder reger Betrieb, es dauerte recht lange, wir waren erst gegen zehn wieder in unserem B&B.



23.8.2011
Über die Halbinsel Sleat nach Armadale und von dort mit der Fähre nach Mallaig auf dem Festland. Beim Verlassen sah die Insel wesentlich schöner aus als auf dem Hinweg. So eine Fahrt mit dem Schiff gibt einem viel mehr Zeit zum Gucken. Wir saßen an deck, zusammen mit vielen anderen. Unten standen die Autos, mindestens eine Alarmanlage piepte immer. Bei jeder Welle pfiffen, tuteten, heulten dann noch ein paar andere mehr. Wir fanden das lustig und lachten jedes Mal los, Vor uns saß eine langhaarige Blondine, die nicht eine Miene verzog und auch nicht auf die Bemerkungen ihres Partners reagierte. Der arme Mann mit einer taubstummen Frau. Aber schöne Locken hatte sie.

Das Zwischenziel war Glenfinnan. Dort befindet sich ein Denkmal, weil dort im Jahr 1745 Bonnie Prince Charlie seinen Feldzug begann, um das Haus Stuart wieder auf den Thron zu bringen. Man kann auf das Denkmal hinaufsteigen und etliche Memorabilia des allseits hochverehrten Prinzen besichtigen. Das interessierte uns aber alles nicht. Vielmehr wollten wir die berühmte Eisenbahn­brücke sehen, die aus dem Harry-Potter-Film bekannt geworden ist – Ron und Harry fliegen in einem alten Ford über den Hogwarts Express, der gerade über diese Brücke fährt. Eine wunderbare Brücke und ein wunderbarer Blick über das grüne Tal.

Vom Parkplatz aus war ein Pfad ausgeschildert, über den man zum Aussichtspunkt kam. Ziemlich holpriger, schlammiger Weg. Leider auch kein besonders gutes Wetter. Aber man sah die Brücke.

Beim Tanken wurde leider ohne ein weiteres Wort des Trostes Jörgs Tankkarte eingezogen. Anrufe bei der Leasinggesellschaft ergaben, dass wegen des Kennzeichenwechsels eine neue Karte angefertigt und an Jörgs Adresse geschickt worden war. Und die alte Karte dadurch ungültig wurde. Blödes Pech! Ab sofort Sprit bezahlen. Wie gut, dass es nicht vorher passierte.

Wir fuhren nach Fort William, checkten beim B&B ein – zentrale Lage, die Hauptstraße fußläufig erreichbar. Gingen die Hauptstraße auf und ab und suchten erstmal ein Cafe und dann ein Lokal fürs Abendessen. Auf dem Parkplatz spielte eine Gruppe Dudelsack, hauptsächlich Jugendliche, Leute hörten zu und klatschten Beifall. Hier wie überall waren Männer in Kilts nichts Ungewöhnliches. Ältere Männer in formellem Jacket, Hemd und Krawatte, alles passend zum Tartan. Oder junge Männer in wilden Kombinationen aus gelben Sneakers, rotgrünkariertem Kilt und türkisem T-Shirt mit Nessieprint vorne drauf. – Mir war kalt. Ich zog den wärmsten Pullover an, den ich dabei hatte, aus Wolle mit vielen Zopfmustern, und behielt ihn auch im Lokal an.





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Schottland die Sechste

Geschrieben von Miss Ellie , 20 September 2011 · 110 Aufrufe


21.8.2011
Am anderen Morgen verschliefen wir, jedenfalls dauerte es mit dem Aufstehen und Duschen so lange, dass die Zimmerwirtin an die Tür hämmerte („klopfte“ wäre untertrieben). Auch dieses Zimmer war übrigens sehr britisch mit weißen Möbeln und rosa gemustertem Chintz ausgestattet. Wir befanden uns in einem schönen Landstrick, keine frage. Am Loch Ewe hielten wir an, um die Aussicht zu genießen. Eine Infotafel setzte uns in Kenntnis, dass hier in kriegszeiten die halbe Flotte vor Anker gelegen hatte. Wir fuhren nach Gairloch, zur Tourist Information, um ein Zimmer auf Skye zu buchen. Gairloch liegt an einer netten, aber ziemlich windigen, Bucht. Wir standen vor der Tourist Info und warteten, bis um elf Uhr geöffnet wurde. Die junge Frau hatte dann fast eine Stunde lang damit zu tun, ein Zimmer für uns zu finden, es war alles so gut wie ausgebucht. Kein en suite Bad mehr zu bekommen, nur ein schlichtes Zimmer draußen auf dem Land in Torrin, an der Straße nach Elgol. Dafür war es billig.

Wir fuhren los, zunächst nach Plockton, das wir empfohlen bekommen hatten. Der Weg dorthin war teilweise abenteuerlich, eine einspurige Straße, die sich kilometerweit durch dichtes Gebüsch und Wäldchen wand – nur am Gegenverkehr war zu merken, dass dieser Weg irgendwohin führen musste, sehen konnte man nichts. Plockton selbst war eine Überraschung. Zwar machten sie auf der Webseite Reklame mit einer Palme vorn an der Bucht, ich hielt das aber für ein reines Marketingmanöver. War es nicht! Es gab Palmen überall in den Gärten und an der Bucht, an der sich die Gebäude entlang reihten. Es gab Blumen, die Sonne schien, kein Wind ging, in der Bucht lagen malerisch ein paar Boote. Mengen von Leuten schoben sich über die Wege. Restaurants machten einen ausgesprochen einladenden Eindruck. Ganz im Gegensatz zum gar nicht so weit entfernten Gairloch wirkte dieser Ort mediterran. Wir tranken Kaffee und fuhren weiter nach Kyle of Lochalsh und hinüber nach Skye. Die Fahrt über die lange Brücke war zwar schön, aber die Insel selbst präsentierte sich eher unattraktiv. Frittenbuden, hässliche und nicht sonderlich gut instand gehaltene Gebäude. Schließlich kamen wir nach Broadford und bogen ab Richtung Torrin.

Unser B&B hieß „Slapin View“ nach der Bucht, auf die man von dort aus blicken konnte. Leider nicht von unserem Zimmer aus. Das war klein und dunkel, lag unterm Dach und war möbliert wie das haus eminer Großmutter früher, mit sehr alten Holzmöbeln. Das Bett fühlte sich kalt und ein wenig feucht an. Unterwegs kamen wir an einem Friedhof und einer Kirche vorbei, offenbar das einzige Überbleibsel des einstigen Ortes und eine Attraktion für Fotografen … selbst nachts standen dort noch Autos davor, und man fragte sich lieber nicht, was die Leute dort auf dem Kirchhof anstellten.

Zum Essen mussten wir zurück nach Broadford, ins ???-Hotel. Viel Betrieb dort, und wieder sehr junge Mädchen, die bedienten.




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Schottland die Fünfte

Geschrieben von Miss Ellie , 06 September 2011 · 205 Aufrufe

Wir wollten die westliche Spitze auslassen und uns stattdessen zügig in Richtung Ullapool und Skye auf den Weg machen, also besorgten wir uns ein Quartier. Ullapool war ausgebucht, wir buchten mutig ein B&B in der Nähe von Gairloch, in laide. Hatten also ein ganz schönes Stück weg vor uns und waren beide froh, das hässliche Thurso hinter uns zu lassen. Die Straße war schön ausgebaut, wir kamen gut voran, ich lehnte mich zurück, schaute in die Gegend auf die Dünen und hinunter auf die Sandbuchten, und dachte bei mir, wie schnucklig ich es doch hatte, in einem komfortablen Auto ... da machte es Ping! und der beste Lebensabschnittsgefährte von allen begann zu fluchen. - Was war das? fragte ich - Eine reifenpanne! antwortete er, da war gerade was auf der Straße, über das ich drüber gefahren bin. - Wir fuhren den nächsten Parkplatz an. Aus dem Reifen entwich laut zischend Luft aus einem Spalt, in dem ein dickes großes Plastikteil steckte. Der beste Lebensabschnittsgefährte von allen wurde blass. Dann murmelte er etwas von einem Reparatur-Kit, tauchte in den Kofferraum und kam mit einem PLastikbeutelchen wieder hervor. - Ich muss mir das mal durchlesen, sagte er, ich hab das noch nie gemacht.
Ich sagte: ich rufe den Adac an! und das tat ich auch. Wir standen ein paar Meilen hinter Strathy. Und das für die nächsten 3,5 Stunden. Der Adac schickte eine SMS, dass ab zwei Uhr p.m. Hilfe zu erwarten sei. Wir standen. Er schlief. Ich strickte. Glücklicherweise war zu essen und zu trinken im Auto. Noch glücklichererweise war am parkplatz ein Mäuerchen, hinter das man sich ducken konnte, um nicht beim ins-Gras-Pinkeln gesehen zu werden.
Schließlich kam ein Wagen aus Tongue. Meinte, er hätte eigentlich nach einem schwarzen Auto Ausschau gehalten (unseres ist weiß, aber darüber hatte ich mit dem Adac gar nicht gesprochen). Und wo denn unser Reservereifen sei. Ich sagte: Nix Reservereifen. - Wie es eben so geht, wenn Informnationen von A nach B nach C weiter gegeben werden. - Wir kamen überein, dass er den Reifen aufpumpt und wir versuchen, nach Tongue zur Werkstatt zu kommen, um dort den neuen reifen aufziehen zu lassen. Das geschah dann auch, mit etlichen Zwischenstopps. Nix Kaffee, nix Kuchen, war aber auch egal, es war Samstag, und wir waren heilfroh, dass es mit dem neuen reifen klappte.
Als wir endlich weiterkamen, wars viere durch. Wir fuhren. Über den Kyle of Tongue, um den Loch Eriboll herum, zum Loch Laxford, zum Loch Assynt, zum Loch Broome, am Little Loch Broome vorbei, nach Laide bzw in die Nähe von Achgarve hinter Laide. Es wäre eine schöne Fahrt geworden, wenn wir mehr zeit gehabt hätten. Es ging bergauf, bergab, vorbei an Heidekraut und Moorlandschaft, an kahlen Felsen, durch bewaldete Täler, immer wieder mit Blick auf Tümpel, in denen Seerosen wuchsen ... wir schafften es gerade noch bis acht Uhr abends, in unserem B&B zu sein. Luden die sachen ab, steigen ins Auto, fuhren ins Hotel "Ocean View" und verleibten uns dort ein schönes Abendessen ein. Jeder hat ja seine talente. Der beste LAG und selbst sind gut im Finden von Restaurants, da beide von natur aus gefräßig. And so to bed.


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Schottland die Vierte

Geschrieben von Miss Ellie , 06 September 2011 · 196 Aufrufe

Da unsere reise eine Rundreise war, keine Hin-und-Her-Reise, verließen wir die Black Isle nicht über den Weg, aus dem wir gekommen waren, sondern wir nahmen die Fähre von Cromarty nach Nydd (so hieß der Zielort wohl) am gegenüberliegenden Ufer, fuhren weiter nach Dornoch und dann die Straße an der Ostküste entlang, über Brora und Helmsdale und Wick nach John O'Groats. Das Wetter hielt sich nicht nur, sondern der Himmel klarte auf und beglückte uns mit Sonne und wunderbarer Fernsicht. Von der Straße aus sah man Felder und Weiden mit Kühen, weiter oben mit schafen, dahinter die steil abfallenden Klippen, weiter unten ein Streifen Schlick oder Strand und die See. In Wick machten wir Pause. Gingen einmal durch den Ort, schauten uns die grauen Steinhäuser an, warfen einen Blick auf die Waterfront, die dort wie anderso nicht besonders ansehnlich war, suchten ein Cafè und aßen Kuchen zum Kaffee. Als wir dann weiterfuhren, kamen allmählich die Orkney Inseln in Sicht. Der beste Lebensabschnittsgefährte von allen war total begeistert, packte das kamera-Equipment aus und machte ernsthafte Fotos. Solche, die die erstaunlichen Farben von Wasser und Himmel und Wolken und Klippen und Weiden und fernen Inseln zeigen sollten, solche, die einem diesen schönen Nachmittag für immer aufbewahren. Schließlich kamen wir nach John O'Groats. Der Ort vermarktet sich ganz großsprecherisch als nördliches Ende von Schottland, was natürlich nicht ganz stimmt - vielmehr handelt es sich um das nordöstliche Ende der großen Straße. Das nordöstliche Ende ist Duncansby Head, und der nördlichste Punkt des schottischen Festlandes ist Dunnet Head, wo aber nur eine kleine Straße hinführt und sich deshalb nicht viele Leute hin verirren. In John O'Groats hingegen standen Busse, alles war voller leute, Andenkenläden und die typische Mischung aus Kilt-und-Tartan und Whisky und Clan-Memorabilia. Und ein riesiges Ladenzentrum, ähnlich dem in Bruar. Oha, sagte ich, das sah hier vor fünfunddreißig jahren aber ganz anders aus. Dann ging ich näher an die Läden heran und sah, dass sie leer standen, bis auf eine Strickerei, die ebenfalls dabei war zu schließen, aus Altersgründen, hieß es. Sie verkauften die reste der Bestände, und auch die Konengarne. Ich beherrschte mich und kaufte nur eine allereinzige kleine Kone für 2,50 GBP. Bouclé in einem undefinierbaren Helltürkis, der mir gefiel. - In John O'Groats steht ein Wegweiser, auf dem in alle Himmelsrichtungen gewiesen wird und vermerkt ist, wie weit es nach New York ist undsoweiter. Drumherum ist aber fein säuberlich ein Zäunchen, und dahinter steht ein Schild, das das Fotografieren bei Strafe verbietet. Weil nämlich man sich für 9,95 GBP dort innerhalb des Zäunchens abknipsen lassen soll. Da sagte ich: habt mich gerne! und ließ es bleiben.
Wir fuhren nach Dunnet head, und wenn wir zuvor geglaubt hatten, dass die bisher gesehenen Ausblicke nicht zu toppen waren, wurden wir eines besseren belehrt: von Dunnet head konnte man an dem tag bis zur Ostspitze (Duncansby head), bis zur Westspitze (Cape Wrath) und zu den Orkney-Inseln sehen. Zu und zu schön.
Quartier hatten wir leider nur in Thurso bekommen können, in einem Hotel. Darüber schweige ich lieber. Hässliche Stadt, hässliches Quartier.






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Schottland die Dritte

Geschrieben von Miss Ellie , 06 September 2011 · 197 Aufrufe

Der Ort, in dem wir unterkamen, schrieb sich Avoch und sprach sich Och, und falls jemand nicht ad hoc parat hat, wo das liegt, es ist nicht weit und Fortrose und Rosemarkie. Vom Fenster aus sahen wir Felder und ein kleines Stück Nordsee bzw Schlick. Seemöwen kreischten. Es gab einen kleinen Hafen, es gab auch ein Hotel, wo früher mal der Bahnhof gewesen war und wo man essen konnte. Unser Zimmer war puderblau und chamois dekoriert, mit Rüschen und Blumenranken. Am anderen Morgen begrüßte uns ein sehr aufgekratzter Amerikaner, erzählte uns, dass er in Inverness an der Weltmeisterschaft im Dudelsackspielen teilnehmen wolle, packte auch gleich den Dudelsack aus, marschierte draußen auf dem Rasen auf und ab und spielte, während wir uns drinnen das wunderbarste und leckerste Frühstück einverleibten, das man sich vorstellen kann. Frischen Räucherlachs! Frische Eier! Dicken brauenen Toast, gegrillte Tomaten, Joghurt, Früchte, Kaffee ... Der Dudelsackspieler war erst spät abends eingetroffen, er hatte das Quartier gewechselt, weil sie ihn dort nicht spielen lassen wollten. Tsstsstss, das bisschen Dudelsackpfeifen, man hört es kaum drei Häuserblocks weit, wie kann man sich so anstellen. Wir blieben noch eine weitere nacht, es war einfach zu schön. Fuhren von der Insel herunter an Inverness vorbei zum Urquhart Castle. Auch dort stand ein Dudelsackspieler, packte aber sofort ein und verschwand, als mal drei Tropfen fielen. Dieses kleine Prinzesschen, hat man Töne. Wenn man die Pfeifen ordentlich ölt, kann man auch im dicksten Regen spielen, das hätte unser amerikanischer Mitbewohner ihm sofort erklärt.
Von Urquhart Castle aus hat man den allerschönsten Blick auf den Loch Ness, das stand im Reiseführer. Man geht über die teilweise moosbewachsenen Ruinen, klettert auf den noch vorhandenen Turm, macht Faxen für den unten stehenden Fotografen und sieht Landschaft und Wasser, aber natürlich keine Nessie. Die gibts in Andenkenläden. Auch in dem Lokal, das der Reiseführer empfahl und in dem wir Kaffee trinken wollten. Oben: ein wunderbares Restaurant mit Tartanmusterteppichen, weißbeschürzten Kellnern und bezauberndem Blick auf den See. Nur leider servierten sie dort keinen Kaffee und Kuchen, sondern verwiesen stattdessen auf ihr Café im unteren Stockwerk. Um dieses zu erreichen, musste man eine große Halle voller Whisky- Tartan- Postkarten-Plüschnessie- Shortbread- Clanstinnef durchqueren. Und stand dann in einem trübefunlig beleuchten Zimmer mit Linoleumboden, Resopaltischen, wackligen Plastikstühlen, einer Theke, an der sich jede/r seinen Kuchen bestellen konnte, und schaute aus dem fenster auf einen japanischen Reisebus. Ach, neeeeee!
Wir fuhren nach Drumnadrochit. Wieder dasselbe. Wo es schön war, gabs keinen Kaffee. Wo es Kaffee gab, gabs Plastikfußböden, Metallstuhlbeine schrappten darüber, Resopaltischplatten wackelten und den Kaffee bestellte man an der Theke. Sehr seltsam. Aber essen muss der mensch ja. Besonders, wenn man hier und dort herumspaziert ist, an Flüssen und Wasserfällen entlang und wo nicht noch. Abends waren wir im Restaurant in Rosemarkie die einzigen Gäste und aßen Huhn mit Haggis und Whiskysoße. Schmeckte lecker!






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Schottland die zweite

Geschrieben von Miss Ellie , 06 September 2011 · 137 Aufrufe

Wir wollten in die Highlands, erstmal Richtung Inverness. Aber unser Landlord hatte uns zwei Empfehlungen mitgegeben, die beide an der Strecke lagen, nämlich Pitlochry und Bruar. Pitlochry war gerammelt voller Andenkenläden, Strickwarenläden, Cafés, Kneipen, alle an einer Straße aufgereiht, nur leider wars zum Kaffeetrinken noch zu früh. Die Landschaft war hübsch und lieblich mit vielen Bäumen, Hügeln im Hintergrund, einem Fluss und vielen Blumenkübeln, mit denen sie den Ort ordentlich herausgeputzt hatten. In Bruar gabs einen Wasserfall, zu dem ein gut ausgeschilderter Fußweg führte. Im Tal wuchsen überall Rhododendren, wie schade, das nicht im Frühling zu sehen, wenn die ganze pracht blüht. Die Erde war torfig, das Wasser meistens auch recht braun, an den Ufern wuchsen Moose, ich dachte an Bonny Banks und Bonny Braes und wusste, was damit gemeint sein musste.
In Bruar gabs aber hauptsächlich ein riesiges Einkaufszentrum für Strickwaren und Karostoffe und -kleidung, eine Food Hall mit lokalen Spezereien, und als wir den Ort verließen, trugen wir eine Tasche mit drei Kaschmirschals in hübschen Karomustern, einem riesengroßen wollenen Männerpullover (wieder einer, den ich nicht stricken muss) und roten Schuhen - wie es eben passiert, wenn man harmlos meint, den Outletladen mal eben durchstreifen zu können.
Über die Straße nach Inverness ist hauptsächlich zu sagen, dass es dort nirgends Raststätten oder Klos gibt. Es gibt auch keine Tankstellen. Es gibt wunderbare Wälder und Hügel und Täler, und mehr davon hinter der nächsten Biegung und hinter der übernächsten erst recht. Alles sehr hübsch, und gegen den Hunger kann man ja ein Picknick für unterwegs einpacken, aber irgendwann braucht der Mensch doch mal wieder den Platz zum Händewaschen. Kurz vor Inverness endlich eine Tourist Info, wo wir eine Weile verhandelten, bis ein Quartier gefunden war, außerhalb von Inverness auf der Black Isle.






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