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Dienstagsfrage - meine!

Geschrieben von Reni , 01 Februar 2011 · 616 Aufrufe

Das Wollschaf hat heute meine Frage gestellt :3dance:
Ich beobachte häufig, dass Strickstücke, die von einer Vorlage gestrickt wurden, überschwänglich gelobt werden, auch wenn es ein simples Teil ist, das hunderte Male im Netz gezeigt wurde.
Selbst entworfene Sachen bekommen häufig sehr wenig Beifall, obwohl da doch richtig Können und Mühe drinsteckt.
Sehe ich das falsch? Und wenn nicht, warum ist das so?

Diesmal ist es wirklich schwierig, meine eigene Frage zu beantworten.
Es versetzt mich immer wieder in Erstaunen, wie ein Baktus, ein Hitchhiker oder der neueste Hype, ein Lanesplitter teilweise ekstatische Jubelrufe auslösen, obwohl das im Grunde simple Lappen ohne große Formgebung sind. Die Möglichkeiten, die Modelle abzuwandeln, halten sich in Grenzen und man kann bei den Teilen nichts falsch machen. Ich will damit nicht die Mühe des Strickens abwerten und manche spinnen dafür das Garn sogar selbst. Aber ich halte es schon für arg übertrieben, so ein Gewese darum zu machen.
Ich kann es mir nur so erklären, dass ein großes Zugehörigkeitsgefühl entsteht, wenn Hunderte am gleichen Projekt stricken. Da kann man irgendwie nicht falsch liegen.
Bei selbst entworfenen Sachen ist man ziemlich einsam. Wer einen Pullover oder eine Jacke mit raffinierter Formgebung wie Taillierung, Brustabnäher und eingesetzten Kugelärmeln entwirft, hat meiner Meinung nach Grandioses geleistet. Dennoch wird diesen Projekten nicht die gleiche Ehre zuteil. Vielleicht gerade deswegen?
Kann die Strickgemeinde die Kompliziertheit nicht würdigen? Ist man verlegen, weil man das selbst nicht kann? Ist es des Lobes nicht würdig, weil man es nicht nachstricken oder nachahmen kann?
Ich kann darüber in Begeisterung verfallen, wie manche es hinbekommen, aus passendem Garn und mit pfiffigem Schnitt ein Unikat zu zaubern. Das muss nicht kompliziert sein oder mit verschlungenen Mustern versehen, sondern einfach so, dass der Entwurf, das Garn und die Tragerin genau zueinander passen.
Ich habe auch schon Spülis mit phantasievollen Mustern in Blogs bewundert, obwohl das nicht meine Strickkategorie ist. Dennoch finde ich es klasse, was manche im stillen Kämmerlein auf einem kleinen Stück Strick ausdrücken können.

Ich habe schon gesehen, dass in einem Blog ein Paar Stino-Socken mit einem Garn von Tausendröschen (Name geändert) 27 lobende Kommentare bekam, während im gleichen Blog ein selbst entworfenes perfekt sitzendes Top mit einem figurformenden Muster gerade mal vier Zuschriften bekam.
Das kann ich mir einfach nicht erklären.




Lanesplitter, Baktus und co. sind so beliebt wegen ihrer Einfachheit. Nahezu jeder kann diese Stücke nachstricken und verändern (Wolle, Muster, Maschenart)und das ohne rechnen zu müssen. Der Dreisatz macht deutlich mehr Leuten Probleme, als sie zugeben. Wer will sich schon outen als jemand, der nicht mal 'nen einfachen Dreisatz anwenden kann. Und den zu können, ist nunmal Voraussetzung für das Umrechnen von Modellen, die jemand nur nach seiner/ihrer Körpergröße entworfen hat.
Ich persönlich mag gerne Einfaches stricken, was ich individuell verändern kann. Wenn ich zwischendurch was Kompliziertes möchte, finde ich es. Und als Geschenk kommen Tücher, Schals und Socken immer am besten an.
Ein Baktus in schönen Farben trifft von mehr Leuten den Geschmack, als ein Pullover mit kompliziertem Muster. Es sind eben immer wieder die einfachen Dinge, die uns zufrieden und glücklich machen.
LG Saskia
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Woll-Lust62
01.02.2011 - 12:46
Ich denke auch dass die einfachen Dinge anziehend sind und vor allen Dingen kann man sie durch das Vorhandensein einer Anleitung nachstricken! Die "selbstentworfenen" Sachen werden bewundert, aber man kann sie nicht nacharbeiten.

Ist doch bei Rezepten auch so: das was schnell und einfach geht wird gelobt. Vielleicht können sich die Leute (und ihr Wissen) besser identifizieren. Nach dem Motto: "Das sieht einfach aus, das kann ich auch!"

LG,

Birgit
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Wassilissa
01.02.2011 - 14:25
Deine Frage finde ich interessant und auch deine Gedanken dazu. Ich denke auch, dass es vor allem die Einfachheit ist, die bei diesen Dingen so ins Auge fällt.
Der Lanesplitter zum Beispiel sieht zumindest auf den Photos an allen Frauen gut aus, wie unterschiedlich sie auch gebaut sind. Dann denkt man, man könnte ihn auch nacharbeiten.
Denn das ist ja das andere, irgendwie vergleicht man vielleicht auch mit dem eigenen Können und findet gerade das gut, was man selber auch schaffen könnte. Nach dem Motto: "Modelle entwerfen, das ist ja eh meilenweit weg- aber einen Baktus stricken, das ist ne gute Anregung und das greife ich auf." Und das schafft natürlich auch Gemeinschaft, gründet einen Hype.
Ich beobachte das Phänomen übrigens auch. Manchmal denke ich aber, das ist oft auch Zufall: Wann gerade Leute den Blog lesen, wer die Blogautorin ist usw.
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mamastrickt
02.02.2011 - 07:42
Guten Morgen!
Nun auch meinen Senf dazu.
Ich hab das auch beobachtet, allerdings mit Abstrichen. Ich glaube eher, die Leute trauen sich nicht so recht ihre Meinung zu den selbstentworfenen Sachen kund zu tun, außer es ist bei jemanden, der nur eigene Kreationen zeigt, da gibt es genügend Beispiele und Namen. Es hat was mit Gruppenzwang zu tun. Schreibt einer aus einem Forum der den Ton angibt was nettes dazu, hängen sich die anderen meist mit ran. Aber es kommt auch darauf an, wer was zeigt. Stellt eine nur selten was ein, sind die Reaktionen darauf sehr verhalten, bzw. kommt absolut nichts. Da steht wohl der Gedanken dahinter: na die und die schreiben nichts, also lasse ich es auch. Wirkliche Kritik kommt eh nicht und wenn, dann wird der Kritiker runtergemacht, eine eigene Meinung darf man nicht haben, egal wie unpraktisch oder mißlungen das Teil für den eigenen Geschmack aussieht.
Ich selbst zeige deswegen auch selten was her oder schreibe dazu. Ich hatte mal- ist schon länger her und auch nicht hier- gewagt zu schreiben, das das Teil unvorteilhaft für ein Baby ist, was meint ihr wie ich da ausgebuht wurde. Nicht etwa öffentlich, nein alles per pn. Schon allein das einer nicht mit der angesagten Markenwolle strickt, bringt Minuspunkte, also keine Reaktion.
Mir ist aber auch aufgefallen, das maschinegestrickte Sachen mehr Aufmerksamt mit sich ziehen als Handgestrickte.
LG Anke
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Vielen Dank für eure spannenden Antworten!
Der Gedanke mit dem Gruppenzwang ist interessant. Da kommt es dann wirklich nicht mehr auf das Strickstück an.

Das mit der Identifikation ist sehr einleuchtend, obwohl ich selbst anders reagiere. Das mit der Häufigkeit des Blogbesuches kann ich mir gut vorstellen: mir geht es auch so, dass ich etwas übersehe oder das Blog länger nicht besucht habe. Wenn ich dann etwas nicht lobe oder kommentiere, hat das nichts mit dem Strickstück zu tun. Wenn dann schon mehrere Einträge über dem Strickstück stehen, vergesse ich oft, alles abzuscrollen und dann gibt es eben keinen Kommentar.

Anke, das mit den Empfehlungen bei dem Babygestrick habe ich gelesen und musste dir zustimmen. Dass du anschließend solchen Anfeindungen ausgesetzt warst, bestürzt mich doch sehr.
Aber das ist auch ein Argument für die Beifallsbekundungen: Noro oder Debbie Bliss (nur als Beispiele) bekommen tatsächlich mehr Zuspruch als Gründl oder No-Name. Auch hier kann ich mir vorstellen, dass es damit zusammenhängt, dass die Markengarne leicht zu beschaffen sind und daher das Stück entsprechend nachgeahmt werden kann.

Das Maschinengestricktes besonders gelobt wird oder mehr Aufmerksamkeit bekommt, ist mir nun noch nicht aufgefallen, darauf werde ich einmal achten. Hier kann es mit der Identifikation nicht weit her sein, denn die Masse strickt ja von Hand.

Hätte nicht gedacht, dass ich meine Frage durch eure Antworten so spannend finden könnte :cool:

Viele Grüße
Reni
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