Während die Dame des Hauses sich gestern hat beim Frisör verschönern lassen brach plötzlich auf den Straßen die Hölle los. Polizei von rechts, von links, von oben per Hubschrauber, eigentlich von überall

Mein erster Gedanke - Gefängnisausbruch. Haben wir hier ja ab und an. 15 Uhr, Madame kommt heim. Nimmt noch einen Kaffee, strickt gemühtlich auf der Terrasse sitzend dieses Paar Socken fertig
Ein ganz besonderes Paar übrigens, da von Hand gesponnene Wolle und dann auch noch von Hand gestrickt

Das Telefon klingelt - mein Lieblingsnachbar

. Er fragt ob ich schon die örtlichen Nachrichten gehört hätte - ähm nö. Von dem Moment an war dann gestern nix mehr normal. Wie ja überall in Radio,
Zeitungen (nicht wundern, wenn der Link ewig dauert oder nicht geht), Fernsehen berichtet wurde ist hier eine junge Polizistin erschossen worden, ihr Kollege schwer verletzt. Was dann hier losbrach, man kann es sich nicht vorstellen. Die ganze Stadt kam zum Erliegen. Reinkommen ging so weit, bis man auf den Verkehr traf, der raus wollte. Dann stand alles. Kein Durchkommen. Das rote Kreuz hat Getränke an die Autofahrer verteilt. Handynetze brachen zusammen, der Stadtbahn- und Zugverkehr nur noch irgendwann, Stadtbusse - nix mehr. Mein Mann und ich hatten uns zum Einkaufen verabredet. Er kam mit dem Auto gerade so zum Einkaufszentrum während ich mich auf's Fahrrad geschwungen habe und mich quer durch die Stadt schlängelte, neidvolle Blicke aller Autofahrer in meinem Rücken. Schlimmer wurde das dann noch, als ich wieder heimgefahren bin. Mit einer schwarzen, großen Kühlbox auf dem Gepäckträger. Es sind mir selten so viele Blicke gefolgt.
Es ging so weit, daß die Leute die Autos abgestellt haben, auf Gehwegen, Grünstreifen, wo es halt irgendwo ging, weil kein Spritz mehr im Tank war, die Kühler gekocht haben, Hunde unbedingt mussten. Manche Autofahrer haben sich zusammengefunden und haben Karten gespielt.
Mein Mann hat versucht mit dem Auto heimzukommen, das Abendessen hat er sich auf dem Weg von einer Pizzeria liefern lassen. Er stand mit dem Auto davor. Das hat er dann irgendwann mal abgestellt und ist zu Fuß heimgekommen um 21.30 Uhr. Abgeholt haben wir es dann mitten in der Nacht als sich die Straßen wieder passierbar waren.
Die Kinder durften von der Nachhilfe erst nach Hause, wenn mit den Eltern gesprochen wurde und sie die entsprechende Erlaubnis erteilt haben.
Es war irgendwie alles sehr gespenstisch.
Was ich an der ganzen Geschichte nicht verstehen konnte und auch heute noch nicht kann ist, warum die Stadt so abgeriegelt wurde. Es ist ganz furchtbar was passiert ist und natürlich soll/muß der Schuldige gefasst werden, aber die Polizei hatte und hat keinen Anhaltspunkt, was oder wen oder wieviele Leute sie überhaupt suchen
Beten wir, daß der verletzte Polizist überlebt und der/die Verbrecher schnell gefasst werden!!
die Nachrichten bringen auch hier nichts anderes als Heilbronn. Dabei ist letzten Freitag 10 km von hier ein dreizehnjähriges Mädchen ermordet worden, auf dem Weg zur Schule. Da wurden keine Straßen gesperrt und man hat angeblich immer noch keine sachdienlichen Hinweise. Es wird auch nicht die Polizei des ganzen Landkreises in Marsch gestzt, um den Täter zu finden. Ich kenne die Eltern und bin schon jetzt am überlegen, was ich denen sage, wenn ich ihnen begegne. Mir fehlen da schlicht die Worte.
Ciao
Michaela