Die verstrickte Dienstagsfrage - Woche
42/2007
Wie passt du Strickteile an deine Figur an? Nicht jeder hat die Gardemaße einer Elfe und es besteht die Notwendigkeit das Strickstück an deine Figur anzupassen, sei es an der Breite oder der Länge. Nehmen wir an, die Anleitung ist für deinen 36-er Pullover, du trägst aber 42 ... wie gehts du vor ? Wie sieht es mit einer evtl. Taillierung aus ?
Anleitungen schaue ich mir an wegen des schönen Musters, witziger Details, wegen des interessanten Schnitts, wegen des Materials ... dann sehe ich nach, wie das Stück gemacht ist, und vielleicht kann ich irgendwann etwas davon gebrauchen. Wie zum Beispiel die Anleitung zum roten Arankleid aus Vogue Knitting Ausgabe ?habichvergessenmussichnachschauen?, da habe ich nachgesehen, wie die Diamonds gestrickt sind.
Meine Anleitungen mache ich lieber selbst nach selbst gemessenen Maßen. Standardschnitte passen mir nicht, die Burdaschnitte beispielsweise haben alle viel zu weite Ärmel, viel zu schmale Schultern, viel zu weite Halsausschnitte, da passt garnix, oder so gut wie garnix, egal welche Größe ich nehme. Nach entsprechend bitteren Erfahrungen mit Nähversuchen gilt bei mir der Grundsatz: Größenbezeichnungen sind Schall und Rauch.
Nimm NIE, NIE, NIE, und damit meine ich: wirklich NIE!!! eine Anleitung/ Schnitt, nur weil da eine Größe drauf steht, die dir mal gepasst hat, ohne alle Größenmaße und Schnittmaße mit deinen eigenen zu vergleichen. Mache dir einen Schnitt und halte deinen supergut sitzenden Lieblingspullover/Kleid ... drauf und vergleiche. Passt der Schnitt nicht, ändere ihn. Gutes Messen spart viele Tränen und viel Geribbele.
Die Kleider für Tochter und Tochterfreundinnen habe ich nach Maßen gestrickt und angepasst, hat in allen Fällen geklappt, sie passen haargenau.
Wie man Kleidungsstücke auf Form fertigt, darüber schreiben andere ganze Bücher. Im wesentlichen muss man rechnen können und genügend große Maschenproben fertigen. Der Rest besteht aus Aufgaben a la: wenn ich 5 cm Breite in 40 cm Höhe abnehmen muss und eine Maschenprobe 10 * 10cm 22 Maschen Weite und 30 Reihen Höhe hat, dann entsprechen 40 cm Höhe y Reihen ..... etc etc etc. -
Wie macht man Schnitte, und wie gestaltet man die Passform? Es steht ja nirgends geschrieben, dass z.B. eine Taillierung nur neben den Seitennähten erfolgen kann (wenn man denn Seitennähte hat, ansonsten neben den gedachten Seitennähten). Man kann auch so eine Art virtuelle Abnäher an mehrere Stellen legen, wenn man denn von unten nach oben oder oben nach unten strickt. Oder man kann einen geraden Streifen in die Mitte legen, dorthin, wo der Oberkörper am schmalsten ist, und dann oben und unten auf Maß zunehmen (vorn mehr als hinten bei entsprechend üppiger Oberweite, versteht sich). So habe ich es beim schwarzen Kleid gehalten. Da das Kleid Musterstreifen hatte, in die sich Zu- und Abnahmen nicht gut gefügt hätten, habe ich nur in den ungemusterten Streifen zugenommen, und zwar gleichmäßig verteilt. Also das Strickmuster spielt da eine Rolle. Jeder kennt ja das Dilemma, dass man sich ausgerechnet hat, wie viele Mustersätze man auf seine ideale Weite braucht, und heureka, es sind genau 5 1/2 oder 7 3/4 - ja, was tun? Manche Muster lassen sich halbieren, manche aber auch ganz entschieden nicht. Auch da gibts verschiedene Strategien. Je nach Muster. An den Seiten glatt rechte / glatt linke Maschen zugeben, oder, wenn man verschiedene Muster in gruppen hat, die Grundmuster verbreitern .... auch darüber steht vieles geschrieben in vielen Büchern.-
In "Designing Knitwear" von Deborah Newton ist ein Kapitel über "Shaping" drin. Es gibt auch Bücher über Schnittechnik, aber die kosten 1 Fantastillion und mehr - "Systemschnitt 1 & 2" zum Beispiel.
Was ich in vielen Anleitungen gesehen habe, was mir aber überhaupt nicht gefällt, ist das Verändern der Weite des Strickstücks durch dickere oder dünnere Nadeln. Wer Dreisatz hasst, für den ist das was. Einen Rock sah ich nach dem Prinzip gemacht. Sind die Unterschiede aber zu groß, dürfte das aber problematisch werden - in 20 cm Höhe auf 1 m Weite 20 cm abnehmen dürfte durch Nadelstärkenausgleich nicht machbar sein. Und sowieso. Jedes Material hat eine Nadelstärke, mit der die Maschen harmonisch aussehen und das Gestrick angenehm locker, aber nicht zu locker ist. Mit kleineren Nadeln wirds festgebacken, mit größeren sieht es löchrig aus, also ich bleibe bei einer Nadelstärke, basta.