Schottland die Achte
Geschrieben von
Miss Ellie
,
20 September 2011
·
142 Aufrufe
24.8.2011
Die Wäsche wurde allmählich knapp, Jörg war am Ende seiner T-Shirts angekommen. Im Kofferraum häuften sich die Tüten und Taschen mit Schmutzwäsche. Glücklicherweise gab es einen Laden namens M & Co, wo man günstige T-Shirts bekommen konnte. Ansonsten hatte die Krise auch hier zugeschlagen, Läsen verkauften aus, es gab nur den allerallgemeinsten Tartanandenkenramsch, der in allen Touristenmetropolen zu finden war.
Wir fuhren über Ballachulsih und Crianlarich zum Loch Lomond, wo wir in Luss ein B&B gebucht hatten. Wir sollten bitte nicht zu spät eintreffen, hatte man uns gesagt, die Landlords müssten abends zeitig weg zu einem Tattoo. Also sahen wir zu, dass wir zeitig hinkamen. Das Haus lag weit ab von jedem Ort mitten zwischen schönen Hecken und Feldern, der Weg war malerisch. Das Haus, außen recht unscheinbar, war in einem Stil eingerichtet, der in englischen Einrichtungsmagazinen GRAND genannt wird – sehr hochherrschaftlich, mit Stilmöbeln, Bildern und Spiegeln an den Wänden, einer Riesenvase mit Lilien im Flur – wie direkt aus House&Garden entsprungen. Die Gastgeber stellten sich als Neil und Christine vor und wirkten nicht entfernt so steif, wie es die Einrichtung fürchten ließ. Zunächst mal bekamen wir Tee, außerdem nette Unterhaltung. Internet gab es auch.
Wir fuhren nach Luss und besahen Luss. Ein Ort am See, ein paar Leute am See, zwei Eisbuden am Ufer, Felder und ein Flüsschen. Nichts, das nach einem Restaurant aussah. Also versuchten wir es in Helensburgh, dem nächstgelegenen Ort. Oha! Vorbei wars mit der Idylle, da grüßte schon die Vorstadt von Glasgow. Es brauchte einige zeit, ein Lokal zu finden, das halbwegs vertrauenerweckend wirkte. Aber auch hier standen Leute auf dem Parkplatz und übten Dudelsack spielen, und die Passanten hörten ihnen zu.
25.8.2011
Einen Haken hatte das schöne B&B leider doch: die Dusche war einfach nicht zu zähmen, entweder kochendheiss oder eiskalt. Am Frühstückstisch saßen außer uns beiden noch eine dreiköpfige französische Familie. Meine Bemühungen um Tischkonversation wurden vom mitreisenden 17-jährigen Sohn mit dem Satz „I don’t understand“ beantwortet. Ich beschloss, leider auch kein Französisch zu können.
Wir fuhren nach Glasgow, direktemang ins Buchanan Shopping Center und dort zu John Lewis, in die Wollabteilung. Viele Garne! Sehr viele Garne! Aber kein Rowan’s Felted Tweed in Rot. Wir shoppten im Shoppings Center, Schuhe, einen Rock … und gingen dann weiter durch die Stadt, die Buchanan Street hinab, in die Sauchiehill Street, Hope Street, Renfrew Street …. Dort sprang mir sofort „Mandor’s“ in die Augen, ein Laden für Stoffe und Garne, also nichts wie hin. Nein, kein rotes Felted Tweed. Dafür vier Knäuel grünrosabuntes Noro-Kureyon-Sockengarn zum halben Preis, das musste mit, unbedingt. Vor dem Laden war eine Terrasse, wo man Kaffee trinken konnte. Am Ende mussten wir im nächsten B&B anrufen und kleinlaut ansagen, dass wir später eintreffen würden, weil wir aufgehalten wurden. Naja, stimmte nicht ganz.
Also nach Dumfries, in ein sehr professionell geführtes, recht großes B&B. Modernes Zimmer, zuverlässige Dusche, und die Inhaberin fragte uns sofort, wo wir zu Abend essen wollten, empfahl uns Lokale und bot an, uns einen Tisch reservieren zu lassen. Wir gingen zu Fuß zu „Bruno’s“, aßen italienisch, wunderten uns wieder, wie gut besucht die Lokale überall waren, auch mitten in der Woche, und gingen zurück.








