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Canossa

Geschrieben von Miss Ellie , 18 Oktober 2012 · 285 Aufrufe

In Shetland habe ich einen Fair-Isle-Workshop besucht. Das gestaltete sich so, dass etwa 20 Teilnehmerinnen in den Räumen von Jamieson&Smith an einem langen Tisch saßen und jeweils eins von zwei Mustern wählen konnten: ein Schal längs gestrickt auf langen Nadeln, ein Schal quer gestrickt, ebenfalls auf langen Nadeln. Die Muster stammten von Hazel Tindall, die den Workshop veranstaltete. Wir bekamen jeweils zwei Knäuel Garn, naturweißes und mittelbraunes. Um Fair Isle Stricken zu üben braucht es nur zwei Farben - aber an dem Punkt setzte bereits allgemeines Gemaule ein - natürlich hatte sich jede ein richtig schön vielfarbig buntes Gestrick vorgestellt.
Also tönte es rechts und links „These are not exactly my colours“ „can I swap the brown for another colour“ „I’m going to buy some more colours, wait a minute“.

Ich entschied mich für den längs gestrickten Schal. Gestrickt werden sollte er auf zwei flach aufeinander liegenden Nadeln mit einer dritten Nadel. Nadeln wurden ebenfalls verteilt: 30cm lange DPN’s aka Strumpfstricknadeln von Prym in Nadelstärke vier. Bitte? So dicke Nadeln für so dünnes Garn? Ich sagte, dass ich locker stricke und dass die Nadeln zu dick seien und bekam zur Antwort: nein, das seien schon die richtigen Nadeln.

Ich glaubte das nicht. War aber gut ausgerüstet und zog mein Nadelspiel in Stärke 3,25 aus der Stricktasche. Schlug an und mühte mich. Hat schon mal jemand auf zwei flach aufeinanderliegenden Nadeln mit einer dritten Nadel gestrickt? Ich fand es extrem unpraktisch. Die beiden Lagen des Gestricks klebten aufeinander und ließen sich nicht bewegen, es brauchte Kraft, den Faden durchzuziehen – ich erwog, die Maschen auf drei Nadeln aufzuteilen, verwarf den Gedanken aber sofort wieder, weil die Musterrepeats dann unübersichtlich wurden. Diesen Workshop hatte ich mit dem allereinzigen Ziel gebucht, mir eine bessere Art der Nadelhaltung beim zweifarbigen Stricken zeigen zu lassen. Eine Art, die bewirkt, dass das Zweifarbige nur so von den Nadeln flutscht. Ohne dass mir die Finger steif werden und die Fäden sich verheddern. Ich fragte Hazel, wie man die Nadeln am besten hält, ich hätte sagen hören, mit einem Faden in jeder Hand ginge das ganz leicht, ich könne es aber nicht. Hazel meinte, dann sollte ich es mit zwei Fäden auf dem linken Zeigefinger versuchen. Sie zeigte mir, wie sie das macht, und ich versuchte es, aber die beiden Fäden auf dem Zeigefinger rutschten bei mir ständig zusammen und beim Stricken erwischte ich sie dann beide.

Während ich strickte und schwitzte saßen neben mir und um mich herum lauter nette Frauen, mit denen ich das eine oder andere Wort redete, was ja auch viel kurzweiliger und angenehmer war als sturheil auf die Finger, die Nadeln, das Muster zu gucken. Es gab Kaffee, Leute wuselten herum, Hazel packte einen tollen gestrickten Fair-Isle-Pullover nach dem anderen aus und diese machten die Runde und stapelten sich schließlich an unserem Tischende, bis ich bei viel AAAAAHHHH und OOOOOOHHH merkte, dass der Pulloverhaufen meinen Restkaffee über meine Stricktasche geschubst hatte. Die Pullover waren unglaublich perfekt gestrickt, farben- und musterreich, man konnte sie nur bewundern. Sicherlich war das Zeigen als Ansporn gedacht, Motto: nicht verzagen, am Ende schaffst du es auch, so einen Wunderpullover zu stricken, nur immer fleißig eine Masche nach der anderen und frischen Mut bewahren ….

Bei mir ging der Schuss aber voll in die andere Richtung los. Ich kämpfte mit der etwa 5ten 56-Maschen-Reihe, und das nach zwei Stunden angestrengten Werkelns. Beim näheren Hinschauen hatte ich just festgestellt, dass ich lauter auffällige Fehler gemacht hatte und am besten das Ganze noch mal aufmachen sollte – ein Gedanke, der mir ziemlich zuwider war. Wenn man nach stundenlanger Mühe daran gescheitert ist, die Radmutter eines Käfers festzuziehen, dann tröstet es einen nicht, dass andere schon sieben Porsche, drei Ferraris und vier Dutzend Rolls Royce gebaut haben, ohne dass ihnen dabei die Frisur verrutscht. Eher im Gegenteil.

Die Stunde rinnt, der Tag vergeht, wie schnell ist nichts getan …. Ich gestand mir ein, dass aus diesem Schalgestrick an diesem Nachmittag nichts gescheites mehr werden würde, also legte ich es beiseite und beschloss, mit der Mütze für meine Tochter anzufangen. In der Anleitung stand, Maschen mit I-Cord-Anschlag aufnehmen. Eine der Mitstrickerinnen zeigte mir, wie ich einen I-Cord-Anschlag mache. Ich kriegte es hin. Aber es dauerte. Und dauerte.

Am Ende des insgesamt 4-stündigen Workshops hatte ich die Hälfte der Maschen angeschlagen. Natürlich, ist ja klar, kann man bei einem einfarbigen Maschenanschlag nicht das mehrfarbige Stricken üben. In drei weiteren Stündchen wäre ich sicher soweit gewesen, das mehrfarbige Bündchen in Angriff zu nehmen. Leider war der Nachmittag aber lange vorher zu Ende.

Hazel las ein Gedicht vor. Es handelte vom Stricken eines Fair Isle Pullovers. Ein witziges Gedicht. Im Shetland-Dialekt. Viele lachten. Ich verstand so gut wie nichts. Vor diesem Workshop hatte ich angenommen, ich könnte ganz gut Englisch. Ich hatte auch gedacht, dass ich ganz gut stricken könne. Wurde aber in beiden Dingen eines Besseren belehrt. So unbeholfen und dumm habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Ich habe an diesem Nachmittag gelernt:

- Wie ich einen Icord-Anschlag machen kann

- dass mir Flachstricken von Schals nicht liegt

- dass mir zweifarbig stricken mit zwei Fäden auf dem linken Zeigefinger nicht gelingt

- dass Nadelstärke 3,25 für Jamieson&Smith Jumper Weight zu eng ist

- dass man Kaffeebecher von Workshoptischen besser fern hält

- dass Schwatzen die Konzentration nicht verbessert



Mittlerweile ist das alles Geschichte. Ich stricke an der Mütze, zweifarbig, wobei ich die zweite Farbe meistens mit Daumen und Zeigefinger hervorhole. Ich benutze die langen Strumpfstricknadeln in Stärke 4 und komme damit gut zurecht. Das Gestrick wird nicht zu locker, sondern gerade richtig. Ich habe eine Grundannahme getroffen, nämlich: Zweifarbig stricken ist für Ungeübte eine Plackerei. Dagegen hilft auch nichts außer Übung. Erstmal zwei, drei Pullover stricken, dann sehen wir weiter.






Klingt ja aufregend...
Ähm, und welche Technik wurde geübt? Beide Farben auf einer Hand? Auf zwei Händen gleichzeitig Fäden führen? Hin und Rückreihen oder mit Steek?
Menno, erzähl doch mal!Eingefügtes Bild
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Miss Ellie
18.10.2012 - 12:37
Hallo Dagmar, wie oben weiter beschrieben ... Steeks, soweit sind wir nicht gekommen. Ich schon gar nicht.
Zwei Fäden auf zwei Händen lasse ich mir im nächsten Stricktreff zeigen. Die Leute dort haben nicht gleichzeitig 20 andere zu betreuen. Und ich werde was Geeignetes zweífarbiges vorbereiten. Sodass ich mich nicht mit Maschenanschlägen aufhalte. Eingefügtes Bild
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Hallo Miss Ellie,

mir ist beim lesen schon ganz anders geworden.
Ich bleibe uni.

LG, Inge
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Ähm, ähä... also mein iPhon hatte irgendwie nur die ersten beiden Absätze abgebildet... jetzt erst kann ich den ganzen Text lesen...
Also ich finds eh mutig, dass du da draußen in der Fremde einen Kurs besuchst! Hut ab!
Und das mit dem "auf zwei Händen" ist echt einfach. Zwei Tage braucht dein Hirn, also setz dich endlich dran und versuch es!

So, ich düse jetzt ab zum Spinntreffen...
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Miss Ellie
23.10.2012 - 08:59
Hallo Dagmar,
Dein Iphone trifft keine Schuld, ich habe den text in Etappen gepostet. Erst den Anfang, dann den Rest zunächst lokal geschrieben und später reinkopiert. That's why!
LG, Elke
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